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Mythos Mondragon - Fagor, Eroski, Irizar und mehr

Mondragón Corporación Cooperativa (MCC) ist mit über 70.000 Mitarbeitern die größte Unternehmensgruppe im Baskenland und gilt als die erfolgreichste Industriegenossenschaft der Welt. - Ein nordspanischer Mythos.

Die Vision eines jungen Jesuitenpaters (D. José María Arizmendiarrieta) führte im Jahre 1956 zur Gründung einer selbstverwalteten Kooperative. Damals spielte die Katholische Soziallehre eine wichtige Rolle, um erfolgreiche Wege des Wirtschaftens jenseits des Kapitalismus und des Sozialismus zu finden - um eine reale Utopie zu erschaffen. Das Modell nennt sich Experiment Mondragón. Es setzte von Beginn an auf die Potenziale jedes einzelnen Mitarbeitenden.

Heute beschreibt Jesús Catania, Vorsitzender des MCC-Vorstands, den Leitauftrag so: „Die Mission von MCC verbindet die grundsätzlichen Ziele eines Unternehmens, das im Wettbewerb auf internationalen Märkten steht, mit dem Einsatz demokratischer Methoden in seiner Gesellschaftsstruktur, der Schaffung von Arbeitsplätzen, der menschlichen und beruflichen Förderung seiner Beschäftigten und der Verpflichtung gegenüber der Entwicklung seiner sozialen Umgebung.“

Shareholder von MCC sind grundsätzlich die Mitarbeitenden selber. Sie wählen ihre Chefs und partizipieren am Gewinn. MCC ist als Netzwerk von über 210 selbstverwalteten Kooperativen und Einrichtungen organisiert. Produziert wird von Haushaltswaren bis zu Fahrzeugen und Anlagen zur Nutzung alternativer Energien eine breite Palette von Produkten. Zu den Marken des Netzwerkverbundes gehören Fagor (Haushaltswaren), Eroski (Handelskette) und Irizar (Busse).

Gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten hat sich das Netzwerk bewährt. Entlassungen gibt es praktisch nicht. Die Genossenschaft unterhält Schulen, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen und eine eigene Universität. Die genossenschaftseigne Bank bietet Unterstützung bei Liquiditätsengpässen und fördert innovative Projekte. Die Geschäftspolitik der im Jahre 1959 gegründeten Bank war eine wichtige Voraussetzung für die Expansion des Kooperativennetzwerks.

Mit einem Umsatzvolumen von über 10 Mrd. € und einer verfügbaren Aktiva im Finanzbereich von über 10 Mrd. € ist Mondragón heute die siebtgrößte Unternehmensgruppe in Spanien. Mondragón ist weiterhin nicht an den internationalen Börsen vertreten. Dies würde den grundlegenden Aspekt der Selbstverwaltung beeinträchtigen. Zur Stärkung der Eigenmittel nutzen die Großkooperativen wie Eroski den Markt der nachrangigen Finanzeinlagen. Durch die starke globale Expansion in den vergangenen Jahren kam es zur Bildung von Joint Ventures und anderen Formen der internationalen Kooperation außerhalb des spanischen Genossenschaftsrechts. Dies hat dazu geführt, dass der Anteil der genossenschaftlich organisierten Mitarbeitenden abnimmt. Darauf hat MCC reagiert: Der Strategieplan 2005-2008 sieht vor, dass in den wichtigsten Filialen schrittweise das Modell eines “partizipativen Unternehmens” eingeführt wird, das die Beteiligung der Mitarbeitenden am Eigentum und am Management des Unternehmens steuert.

MCC ist offen für neue Mitglieder, unabhängig von Religion, Herkunft oder politischer Überzeugung. Jedes neue Mitglied durchläuft ein Integrationsprogramm. Darin wird Kooperationsfähigkeit eingeübt, persönliche und kollektive Ziele werden erarbeitet. Partizipation bedeutet bei MCC die selbstverantwortliche Teilhabe als Unternehmer. Die Grundwerte der Unternehmenskultur umfassen das Engagement für Wandel hin zu freien und gerechteren Gesellschaften in allen Regionen, in denen MCC aktiv ist. Mit dem Grundwert Universalismus wird darüber hinaus die Solidarität mit allen erklärt, die bewusst für die Entstehung einer sozialen und demokratischen Wirtschaft eintreten. Das Leitmotiv des sozialen Engagements und die Schaffung der Voraussetzungen für Eigenverantwortung und Arbeitszufriedenheit gehören zu den Grundorientierungen, die zu den operativen Leitzielen führen: Kundenzufriedenheit, Rentabilität und internationales Wachstum.

Zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren gehört die hohe Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden. Die Abwesenheitsrate ist im Vergleich zu anderen Unternehmen gering und die Produktivität liegt erheblich über dem Landesdurchschnitt.

Weitere Erfolgsfaktoren des Experiments Mondragón sind neben der Zugkraft der ursprünglichen Vision, der betriebswirtschaftlichen und zugleich menschenorientierten Ausrichtung:
- Die umfassende Transparenz, verbunden mit flachen hierarchischen Organisationsstrukturen.
- Die außergewöhnlich hohe Reinvestitionsrate der erwirtschafteten Gewinne.
- Kontinuierliche innovative Anpassung an die Veränderungen der externen Gegebenheiten.
- Die Schaffung wirksamer Instrumente der Kooperation untereinander: im Finanzbereich, bei der sozialen Absicherung, auf dem Sektor Innovation und Forschung + Entwicklung, beim koordinierten Management von Beschäftigung und dem Management von Krisensituationen.

Inzwischen pilgern jährlich über 1.000 Fachleute aus aller Welt nach Mondragón, um von dem Mythos südwestlich von Bilbao zu lernen. Arrasate heißt das kleine Städtchen Mondragón auf baskisch. MCC möchte, dass die Idee des Experiments Mondragón ausstrahlt und Früchte trägt. Eine Zielsetzung ist daher, das Genossenschaftsprojekt von Mondragón bekannt zu machen. Es werden Tagesbesuche und 2- bis 5-tägige Seminare organisiert. Die Gruppen, die Mondragón besuchen möchten, sollten aus 10 bis maximal 25 Personen bestehen. Für jede Besuchergruppe werden die allgemeinen Bedingungen, Termin und Programm abgesprochen.

MONDRAGÓN CORPORACIÓN COOPERATIVA, MCC

Artikel:Der utopische Konzern (Brand Eins, pdf)


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